Daunendichte Textilien vs. Daunenmigration

Wodurch wird die Qualität von Daunentextilien bestimmt und welche Verarbeitungstipps bzw. Nahtempfehlungen spielen eine entscheidende Rolle zur Vermeidung von Daunenmigration?

Vom „Michelinmännchen-Style“ bis hin zum edlen, Figur umspielenden Federleicht-Look: Daunentextilien sind warm, leicht und angenehm zu tragen. Zwar bestimmen aktuelle Modetrends die Optik hochwertiger Daunentextilien wie Daunenjacken, -westen oder -mäntel, jedoch ebenso wichtig ist auch die Funktionalität gepaart mit einer bestmöglichen Wärmeisolation. Dasselbe gilt für Bettwaren mit Daunen- und Federfüllung. Kuschelig und warm sollen diese sein. Verantwortlich für das geringe Gewicht im Verhältnis zu einer hohen Wärmeisolation ist in erster Linie die Füllung. Diese kann von sehr unterschiedlicher Qualität sein.

Was sagt die Füllung über die Qualität von Daunentextilien aus?

Vielfach wird angenommen, dass das Mischungsverhältnis von Daunen und Federn alleinig für die Qualität ausschlaggebend ist. So scheint ein relativ hoher Anteil an Daunen, sprich ein Mischungsverhältnis von 90 % Daunen zu 10 % Federn, für eine höherwertige Qualität zu sprechen. Eine Mischung von 60/40 % wird hingegen eher als mäßige Qualität beurteilt. Eine Füllung mit 100 % Daunen ist allerdings technisch nicht sinnvoll, da ein gewisser Anteil von Federn notwendig ist, um die Daunen zu stützen.

Aber nicht nur das Mischungsverhältnis bestimmt die Qualität von Daunentextilien, sondern auch die Qualität der Daunen und Federn, denn die Güte derer ist maßgeblich für das Volumen der Füllung. Und je größer das Volumen, desto höher die fühlbare wärmeisolierende Wirkung. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine 60/40 % Mischung aus hochwertigen Qualitäten besser wärmt als eine 90/10 % Mischung.

Woher kommt das Volumen der Füllung?

Federn vs DaunenBetrachtet man die bauschige Füllung näher, so ist einfach erklärt, woher das Volumen kommt. Daunen bilden das besonders feine Untergefieder der Brust- und Bauchpartie von Gänsen und Enten und erinnern in ihrem Aussehen, bzw. den vielen kleinen, strahlenförmig angeordneten Verästelungen mit Widerhaken, an eine Schneeflocke. Im Gegensatz zu Federn haben Daunen weder einen Schaft noch eine Fahne, sondern einen schwach angedeuteten Daunen-Kern. Dadurch erhalten Daunen ihre charakteristische dreidimensionale Form. Je größer die einzelne Daune, desto größer das Volumen. Bedingt durch diesen voluminösen Aufbau kann sich Luft in der Füllung ansammeln, die zu einer besonders guten wärmeisolierenden Wirkung führt.

Federn dagegen bilden das sichtbare Federkleid von Wassergeflügel und haben eine zweidimensionale Form. Daher verfügen Federn über weniger Volumen, und lassen sich zudem auch nicht so stark wie Daunen zusammendrücken. Deshalb haben Federn einen weniger starken wärmeisolierenden Effekt als Daunen. Den offensichtlichsten Unterschied im Vergleich zu Daunen bildet jedoch der deutlich sichtbare und spürbar harte Federkiel. Je nach Qualität kann der Kiel dicker oder dünner und mehr oder weniger gerade sein. Je feiner und stärker gekrümmt der Kiel, desto hochwertiger ist in der Regel die Feder.

Ein häufiges Problem: Daunenmigration

Daunenmigration

Die Qualität der Füllung spielt also auch für die Güte des Gesamtproduktes eine große Rolle. Aber allein erstklassige Daunen und Federn machen kein hochwertiges Kleidungsstück aus, wenn das Füllmaterial nicht darin verbleibt, sondern durch die Stofflagen oder die Nahtlöcher nach außen tritt. Gewöhnlich spricht man dabei von „Daunenmigration“ oder auch „Durchdaunen“. Nähtechnisch gesehen, ist diese Bezeichnung aber nicht korrekt und wird deshalb im nachfolgenden Absatz nochmal näher erläutert. Prinzipiell ist hierbei zu unterscheiden, ob das Füllmaterial durch die Lage der textilen Fläche oder im Bereich der Naht hindurchtritt.

Dringt das Füllmaterial durch die textile Fläche, so wird diese als „nicht daunendicht“ bezeichnet. Genau genommen ist diese Bezeichnung nicht passend, da sich in der Regel nicht die Daune, sondern der Federkiel durch die textile Fläche bohrt. Die dreidimensionale Daune kann dagegen nicht so einfach durchdringen und wenn doch, dann meist nur zu einem geringen Teil. Grund dafür ist das Verhältnis zwischen Daunen- bzw. Federgröße zu der Porengröße des Gewebes. Deshalb ist die Feinheit des Gewebes stets auf die der Daunen- bzw. Federfüllung abzustimmen. Hierbei gilt: Je größer die Poren im Gewebe und je dünner und spitzer der Kiel, desto höher das Risiko, dass Füllmaterial durch das Gewebe treten kann. Die Bindungsart des Gewebes sowie der Querschnitt der eingesetzten Nähgarne spielt dabei eine große Rolle. Eher dicht geschlagene Gewebebindungen aus Garnen mit flachem Durchmesser und einer möglichst geringen Drehung sind am besten geeignet wie z.B. leinwandbindige Gewebe. Alternativ können auch sogenannte Daunensperrschichten eingesetzt werden, um das Durchtreten der Füllung zu verhindern. Dabei handelt es sich um Gewebe, mit einer meist extrem hohen Gewebedichte und geringer Luftdurchlässigkeit. Neben dem Vorteil, dass diese zusätzlichen Gewebelagen das Migrieren verhindern können, haben Sperrschichten den positiven Effekt, dass gerade bei hellen Oberstoffen dunklere Daunen und Federn nicht mehr durchscheinen können.

Stoffkammern

Das Füllmaterial kann sich aber vielfach auch im Nahtbereich, genauer gesagt am Einstichloch der Nadel, ins Freie arbeiten. Die Naht bzw. das Einstichloch ist damit die kritischste Stelle. Zieht man eine einzelne Feder oder Daune heraus, so folgen meist noch weitere. Diese Problematik ist allseits bekannt – insbesondere bei Nähten, die zusätzlich abgesteppt werden. Auch hier spielen die Größenverhältnisse eine Rolle. Je größer das Einstichloch der Nadel, desto höher das Risiko zur Daunen- bzw. Federmigration. Allerdings ist der Einsatz einer sehr feinen Nadel nicht immer möglich. Durch die Beachtung gewisser Tipps kann die Problematik aber reduziert oder gar verhindert werden.
 

Nähtechnische Verarbeitungsempfehlungen

Abhängig vom Design der Daunentextilien, haben die Stoffkammern, die mit Daunen-Feder-Mischungen befüllt werden, unterschiedliche Positionen und Formen. Da diese die Qualität der Wärmeisolierung bestimmen, muss wirksam verhindert werden, dass die Federn bzw. Daunen nach außen dringen können. Dabei sind folgende Verarbeitungstipps zu beachten:

Generell empfiehlt sich, jedes Gewebe vor der Verarbeitung auf seine Vernähbarkeit und den Einsatz der richtigen Nadel zu prüfen. Im Hinblick auf Daunenmigration ist besonders empfehlenswert, mit Nadeln mit einem möglichst kleinen Nadeldurchmesser zu arbeiten, um somit die Größe der Einstichlöcher so klein wie möglich zu halten.

Durch die Auswahl einer größeren Stichlänge reduziert man die Anzahl der Nahteinstichlöcher. Was gleichzeitig bedeutet, dass auch die möglichen Angriffspunkte für einen Durchtritt des Füllmaterials reduziert werden.

Aber auch die Konstruktion des Nähfadens kann dazu beitragen, dass das Risiko der Daunenmigration reduziert wird. Durch die Verwendung von eher glatten und gleichmäßigen Nähfäden können sich Daunen und Federn nicht am Faden verhaken und somit nicht so leicht nach außen migrieren. Zudem kann eine feinere Nähnadel verwendet werden, wodurch das Einstichloch so klein wie möglich gehalten wird.

Ein weiterer Punkt ist die Voluminösität des Nähfadens. Je voluminöser der Faden, desto besser kann das Einstichloch durch die Fadenverschlingung abgedeckt werden und desto unwahrscheinlicher ist es, dass Füllmaterial durch die Einstichlöcher nach außen tritt.

Grundsätzlich sollte die Fadenspannung von Ober- und auch Unterfaden so gering wie möglich eingestellt sein. Dadurch vermeidet man unnötig hohe Spannungen zwischen den Stichbrücken, wodurch die Einstichlöcher zusätzlich gedehnt oder gar vergrößert werden können.

Unsere Nähfadenempfehlungen

Neben den genannten Verarbeitungsempfehlungen, spielt auch die Auswahl des idealen Nähfadens eine entscheidende Rolle, um perfekte, daunendichte Nähte zu erhalten. In Abhängigkeit von Material und Anwendung bietet A&E Gütermann Ihnen hierzu mehrere Produktlösungen:
 

Mara 80Mara - für leichte bis schwere Gewebe
Für ein einheitliches und schönes Nahtbild mit „Baumwolloptik“: Mara ist ein sehr feiner und gleichmäßiger Nähfaden aus 100 % Polyester. Hergestellt mit unserer einzigartigen Micro Core Technology® verfügt Mara über eine sehr gute Reißfestigkeit und hat einen sehr glatten, gleichmäßigen Fadenquerschnitt. Letzteres erlaubt den Einsatz von besonders feinen Nähnadeln. Die an der Fadenoberfläche befindlichen kleinen Fadenschlaufen, die sogenannten Micro-Loops, können  die Daunen bzw. Federn so "festhalten", dass ein Durchdaunen verhindert werden kann.

Tera 180Tera - für feine bis schwere Gewebe
Tera, ein 100 % Polyester Endlosfilament, ist bedingt durch seine Konstruktion ein besonders glatter und gleichmäßiger Nähfaden. Durch den besonders feinen Fadenquerschnitt hat die Fadenverschlingung auch bei hauchdünnen, leichten Geweben ausreichend Platz zwischen den Stofflagen zu liegen, so dass die Einstichlöcher gut abgedeckt und verschlossen werden. Das Füllmaterial bleibt somit dort, wo es hingehört - nämlich innen.

» Sofern gewünscht, sind unsere Nähfäden auch mit einer zusätzlichen wasserabweisenden Präparation erhältlich.


Sie haben noch Fragen? Gerne berät Sie unser nähtechnischer Service umfassend hinsichtlich der für Sie optimalen Produktlösung. Kontaktieren Sie uns gerne unter contact@guetermann.com