Denim Wasch- und Veredelungsverfahren

Wenn das Indigoblau heller wird: Von „Used Look“ über „Stone Washed“ bis zu „Rinsed Washed“ die verschiedenen Denim Wasch- und Veredelungsverfahren sind zahlreich. Der Nähfaden als anfälligstes Element eines Kleidungsstücks muss diesen Belastungen jedoch standhalten.

Ursprünglich als robuste Arbeitshose für die Goldgräber in den USA entwickelt, machte sich die klassische Jeans aus 100 % Baumwolle aufgrund ihrer Robustheit auch schnell bei Farmern, Cowboys und Holzfällern einen Namen. Mit Beginn der 1930er Jahre wurde sie schließlich nicht mehr nur zur Arbeit getragen, sondern als „Blue Jeans“ zum festen Bestandteil der Freizeitmode. Nach dem 2. Weltkrieg brachten dann amerikanische Soldaten die Blue Jeans nach Europa.
 

Denim ist so vielfältig wie nie

Ebenso spannend wie die Geschichte der Jeans ist die inzwischen modische Vielfalt bezüglich Formen und Styles. Die Levi´s 501 Straight Fit Jeans ist sicher mit Abstand das bekannteste Modell. Daneben haben sich jedoch zahlreiche weitere modische Schnittformen etabliert, wie bspw. Bootcut, Boyfriend, Skinny oder Slim Fit.

Auch der Stoff hat sich im Laufe der Jahre durchaus verändert. Nicht mehr nur der einst steife Baumwollstoff wird verwendet, sondern zunehmend auch Denim mit geringem Elasthan-Anteil, wodurch ein sehr bequemes Kleidungsstück entsteht. Daneben findet auch die zellulosische Chemiefaser Lyocell immer mehr Beliebtheit beim Einsatz für Jeans und als Ersatz für Baumwolle. Auch gibt es mehr als die klassisch ganzheitliche „blue jeans“: durch verschiedenste Veredlungsverfahren werden absichtlich spezielle farbliche Effekte erzielt. Doch eines bleibt – Die Jeans wird nach wie vor genäht und die Nähte müssen halten bzw. sollen in der Regel unversehrt bleiben. Bei näherer Betrachtung der Veredelungsverfahren stellt dies jedoch meist eine große Herausforderung dar.


Wasch- und Veredelungsverfahren im Überblick

Ob destroyed, fade out oder bleached - Das bewusste „Zerstören“ der Jeans ist heute ein modischer Aspekt. Ziel dabei ist, den Stoff auf alt und kaputt zu trimmen oder dem ursprünglich dunklen Indigofarbstoff die Farbtiefe zu nehmen. Der Variantenreichtum der eingesetzten Veredelungsverfahren ist sehr umfassend. Doch können diese grob in zwei Gruppen unterteilt werden: in Waschverfahren (auch mill-washing genannt) und gezielte partielle Veränderungen der Oberfläche durch Chemikalien, Mechanik oder Lasereinsatz. Häufig werden auch Kombinationen aus verschiedenen Verfahren angewandt. Beispielsweise werden örtlich begrenzte Techniken oftmals gewissen Waschverfahren vorgeschaltet oder umgekehrt.
 

I. Gängige Waschverfahren

Standard bei klassischen Jeans ist der dunkelblaue Indigoton. Mithilfe unterschiedlicher Waschungen bzw. Waschverfahren, können verschiedenste Used Looks und somit Veränderungen am Farbton und am Material erzeugt werden. Dabei wird beispielsweise der Stoff im Griff verändert oder der Indigoton gelöst.

rinse bedeutet „spülen“ oder „durchwaschen“. Dabei handelt es sich um ein einfaches Waschverfahren, bei welchem weder Chemikalien noch andere Hilfsmittel verwendet werden. Die ursprüngliche Farbe der Jeans bleibt nahezu unverändert, das Gewebe erhält jedoch einen leicht veränderten, aber dennoch natürlichen, trockenen bis kernigen Griff. Auch beugt dieses Waschverfahren nachträgliches Einlaufen vor. Auf den Nähfaden hat diese Veredelungsmethode allerdings keinen wesentlichen Einfluss.

Wie der Name „soft“ bereits vermuten lässt, werden bei diesem Waschverfahren sogenannte Weichgriffmittel eingesetzt, welche dem Gewebe einen weicheren Griff – nahezu ohne Beeinflussung der Farbe – verleihen. Die Nähfäden nehmen dabei allerdings keinen Schaden, sie werden ggf. jedoch ebenfalls etwas weicher. Auch dieses Waschverfahren beugt nachträgliches Einlaufen vor.

Stone washing ist ein klassisches Waschverfahren, welches Jeans eine individuelle Used-Optik verleiht. In Form eines mehrbadigen Verfahrens mit Bimssteinen, wird der Jeansstoff und damit auch die Farbe mechanisch abgerieben. Je nach Art, Größe und Oberfläche der Bimssteine sowie der Waschdauer, kann ein mehr oder weniger starker Used Look erzielt werden. Die Mechanik der Steine wirkt jedoch nicht nur auf den Jeans-Stoff, sondern ebenfalls auf die Nähte. Sprich, auch diese erhalten einen Used Look. Eine hohe Scheuerfestigkeit des Nähfadens ist somit erforderlich. Auch die Wahl der richtigen Fadenstärke ist wichtig. Je dünner der Faden, desto eher kann er durch die Bimssteine zerstört werden.

Ein ähnlicher Effekt wie beim Stone washing kann durch den Einsatz von Enzymen erzielt werden. Es werden verschiedene Arten von Enzymen eingesetzt, die jedoch alle eine gewisse chemische Reaktion bewirken. So beispielsweise das Bleichen des Indigofarbstoffes oder eine Veränderung des Griffes durch Brechen und Entfernen von abstehenden Baumwollfasern. Bei dieser Methode ist auch wichtig, dass die Nähfäden nicht von den Enzymen angegriffen werden und dadurch an Festigkeit verlieren. Polyesterfäden sind jedoch besonders robust und Enzyme können ihnen in der Regel nichts anhaben.

Durch Bleichen werden Jeans aufgehellt und farblich veredelt. Je länger das Bad im Bleichmittel, desto heller kann der Blauton der Jeanshose werden. Eine gängige Methode ist das Bleichen mit Chemikalien, wie Hypochlorit und/oder Permanganat. Daneben etablieren sich mittlerweile auch immer mehr alternative Bleichmethoden, wie z.B. mithilfe von Ozon, die wesentlich umweltfreundlicher sind. Farbliche Effekte sind bei den Nähfäden jedoch meist nicht erwünscht. Daher ist es wichtig, dass die Nähfäden nicht angegriffen werden – egal welches Bleichmittel bzw. welche Methode eingesetzt wird. Folglich sollten die Nähfäden eine hohe Echtheit gegen das entsprechende Bleichmittel aufweisen.

II. Partielle Veredelungstechniken

Neben den zahlreichen Waschverfahren kommen zur Veredlung von Jeans auch Methoden zum Einsatz, die nicht - wie bei der Wäsche - eine Auswirkung auf das gesamte Kleidungsstück haben. Es wird bspw. nur partiell veredelt, um authentische und natürliche Used Looks, sogenannte „worn-out Looks“, Bewegungs- und Sitzfalten oder spezielle Musterungen zu erzeugen.

Ein partieller Used Look auf Denim kann durch eine gezielte Sprühbehandlung mit Bleichmitteln erzeugt werden. Dabei sollte jedoch – wie bei dem Waschverfahren mit Bleichmitteln auch – darauf geachtet werden, dass die Färbung des Nähfadens gegen das jeweilige Bleichmittel resistent ist, um unerwünschte Effekte zu vermeiden.

Mittels verschiedener Schmirgel- und Bürsttechniken können sehr natürliche aber auch detailreiche Used Looks erzeugt werden. Farbstoffe und Fasern werden mechanisch von der Denim-Oberfläche abgerieben. Hier ist nicht nur Erfahrung, sondern präzise Handarbeit gefragt. Die größte Bedeutung hat das manuelle Schmirgeln mithilfe von speziellem Schmirgelpapier. Die Fertigteile werden hierzu auf Mannequins gezogen und dann mit dem Schmirgelpapier bearbeitet, wodurch in der Regel eher leichte Effekte erzielt werden. Beim manuellen Bürsten werden hingegen eher gröbere, flächigere Effekte erzeugt. Daneben gibt es aber auch vollautomatische Bürstroboter, mit deren Hilfe die Used-Effekte sehr präzise und meist auch kostengünstiger erzeugt werden können als durch Handarbeit. Meist werden diese Effekte in der Fläche erzeugt, so dass dabei die Nähte nicht beeinträchtigt werden. Durch diese Techniken können die Nähte jedoch auch ebenso bewusst zerstört werden, um spezielle Used Effekte zu erzielen.

Eine Alternative zum Schmirgeln und Bürsten sowie zum Einsatz von Chemikalien ist Lasern. Ob flächige oder partielle Aufhellungen oder das Gravieren von Logos und Mustern in den Stoff – durch den Laserstrahl kann der Farbstoff gezielt verblasst, die oberste Schicht der Jeansoberfläche leicht angekratzt oder sogar bewusst zerstört werden, so dass Risse erzeugt werden. Zu bedenken ist allerdings, dass synthetische Fasern wie PES, Polyamid oder Lycra schmelzen können und dann harte Rückstände bilden. Folglich ist dieses Verfahren zum einen auf Oberstoffe aus Baumwolle beschränkt, zum anderen ist auf die Materialzusammensetzung des Nähfadens zu achten. Vorteil der Lasertechnik ist zwar das präzise Bearbeiten von Stoffoberflächen, allerdings ist die Technik in der Regel auch teurer als andere Verfahren.

Robuste Denim-Fäden für verschiedenste Veredelungen

Der Nähfaden als anfälligstes Element eines Kleidungsstücks muss diesen vielseitigen Belastungen standhalten. Je nach Veredelungsmethode ist es daher wichtig, den richtigen Faden zu wählen, um gegen jegliche Strapazen gewappnet zu sein. Unsere Denim-Nähfäden werden regelmäßig in unseren Nählaboren unter Extrembedingungen getestet und sind aufgrund ihrer hohen Strapazierfähigkeit sowie Farbechtheit bestens für verschiedenste Wasch- und Veredelungstechniken geeignet.

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