Warum reißt eine Naht?

Das Geräusch, wenn eine Naht reißt, kennt womöglich jeder. Häufig passiert es beim Bücken an der Gesäßnaht oder beim Anziehen am Halsausschnitt. Aber wieso reißen manche Nähte so schnell? Zunächst sei erwähnt, dass es in vielen Fällen nicht an der Festigkeit des Nähfadens liegt. Das Geheimnis liegt vielmehr in der Elastizität der Naht. Ist die Naht weniger dehnbar als der Stoff, so reißt sie bei Dehnung des Materials. Je elastischer ein Gewebe, desto elastischer muss auch die Naht sein. A&E Gütermann bietet hierzu ein spezifisches Produktsortiment an Nähfäden.


Die Verarbeitung von elastischen Nähfäden stellt jedoch besondere Anforderungen an die Nähmaschineneinstellungen. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden in der Industrie selbst für dehnbare Stoffe häufig Standard-Nähfäden eingesetzt. Für eine ausreichende Elastizität der Naht muss dann anderweitig gesorgt werden.

gerissene Naht
So bringen Sie Dehnbarkeit in die Naht

Ein ausschlaggebender Faktor im Hinblick auf die Elastizität einer Naht ist der sogenannte Fadenvorrat, sprich die Nähfadenmenge in der Naht. Je höher der Fadenvorrat in der Naht, desto elastischer ist diese. Der Fadenvorrat wird im Wesentlichen durch den Stichtyp bestimmt. Je nach Art der Verschlingung der Nähfäden bei der Stichbildung, wird mal mehr oder weniger Faden benötigt. Zum Vergleich: der Doppelsteppstich benötigt bei 4 Stichen pro cm ca. 2,8 m Faden pro Nahtmeter, während beim Doppelkettenstich bei gleicher Stichdichte ca. 4,8 m Faden einen Meter Naht bilden. Der Doppelkettenstich ist demnach wesentlich dehnbarer als der Doppelsteppstich, da insgesamt mehr Faden zur Verfügung steht und empfiehlt sich, wenn eine hohe Nahtelastizität erforderlich ist.
 

Doppelsteppstich                   Doppelkettenstich
Doppelsteppstich                                                      Doppelkettenstich

Je nach Einsatzgebiet, gibt es neben dem einfachen Doppelkettenstich weitere Kettenstichtypen, wie z.B. Überwendlichstiche, Zweinadel-Doppelkettenstiche und Überdeckkettenstiche, welche aufgrund ihres hohen Fadenvorrats ebenfalls eine hohe Nahtelastizität garantieren. Ist jedoch der Einsatz eines Doppelsteppstiches – nicht zuletzt aufgrund der Optik – unerlässlich (z.B. bei der Steppung von Kanten), so ist insbesondere auf die Stichdichte und die Fadenspannung zu achten, um eine ausreichende Nahtelastizität erzielen zu können.

Zusätzlicher Tipp zu Doppelsteppstichnähten für hochelastische Materialien:
Eine besonders dehnbare Doppelsteppstichnaht erhalten Sie bspw. auch bei Verwendung eines hochelastischen Nähfadens wie unserem Maraflex. Dieser Spezialfaden überzeugt durch besonders schöne Doppelsteppstichnähte!

Um gezielt einen höhere Nahtdehnbarkeit zu erzeugen, gilt auch die Stichdichte als wichtiger Einflussfaktor. Hier gilt der Grundsatz: Je höher die Stichdichte, desto elastischer die Naht. Denn die Erhöhung der Stichdichte hat eine Erhöhung der Anzahl der Fadenverschlingungen zur Folge, was wiederum mehr Fadenvorrat in die Naht bringt. Je nach Materialdicke, kann die Dehnfähigkeit beim Doppelsteppstich durch nur einen Stich mehr pro cm um ca. 10 % erhöht werden.
 

Fadenverschlingung in Nähgutmitte         erhöhte Stichdichte

Vergleich durchschnittliche und erhöhte Stichdichte

Der Fadenspannung wird in Bezug auf die Nahtelastizität häufig wenig Beachtung beigemessen. Allerdings spielt diese gerade beim Doppelsteppstich eine wichtige Rolle. Eine ausgewogene Verteilung und optimale Lage der Fadenverschlingungspunkte ist die Voraussetzung für eine größtmögliche Elastizität der Naht. Ist die Fadenspannung nicht korrekt eingestellt, d.h. liegen die Fadenverschlingungspunkte nicht genau in der Nähgutmitte, so verkürzt sich die Fadenmenge auf einer Seite, die Kräfte können sich bei Zugbelastung nicht gleichmäßig verteilen und die Naht reißt schneller.
 

Fadenverschlingung in Nähgutmitte                             Fadenverschlingung nicht in Nähgutmitte

Ausgewogene Fadenspannung beim Doppelsteppstich            Unausgewogene Fadenspannung beim Doppelsteppstich
 

Bei der Einstellung der Fadenspannung spielt im Übrigen auch die Qualität des Nähfadens eine große Rolle. Je gleichmäßiger ein Nähfaden ist, desto besser. Denn Nähfäden mit einer hohen Gleichmäßigkeit können mit einer geringeren Fadenspannung verarbeitet werden als eher ungleichmäßige Fäden. Und durch eine geringere Fadenspannung kommt wiederum mehr Fadenvorrat in die Naht, wodurch diese dehnbarer wird.


Clevere Tricks für erfahrene Anwender

Neben all‘ diesen Faktoren gibt es zahlreiche weitere Tricks, durch die sich besonders gleichmäßige, dehnbare Nähte realisieren lassen. Beispielsweise durch…

Halten SieNähfußdruck den Nähfußdruck so gering wie möglich, damit das Nähgut während des Nähvorgangs gleichmäßig unter dem Nähfuß durchgeführt werden kann, ohne dass Nahtverschiebungen entstehen.

In Abhängigkeit von Nähmaschine mit Puller-EinrichtungMaterial und dem gewünschten Einsatz kann für einen gleichmäßigen und kontrollierbaren Vorschub auch eine Puller-Einrichtung eingesetzt werden, die das Risiko von Lagenverschiebungen reduziert und ein einheitliches Nahtbild mit konstantem Vorschub erzeugt.


Entscheidend ist auch der richtige Nähfaden

Unsere Produktempfehlungen:

Gerne beraten wir Sie individuell, welches Produkt am besten zu Ihrer Anwendung passt. Kontaktieren Sie uns via naehtechnik@guetermann.com.