Von C8 über C6 zu PFC-frei

Was bedeutet dies? Und welche Lösung bietet A&E Gütermann im Hinblick auf PFC-freie, wasserabweisend ausgerüstete Nähfäden?

wasserabweisende Outdoor-BekleidungOb Mode, Sport, Outdoor oder technische Textilien: Mithilfe bestimmter Ausrüstungen können Textilprodukte im Laufe der Produktionskette – Nähfäden mit eingeschlossen – eine Reihe an verbesserten und/oder zusätzlichen Eigenschaften wie bspw. wasser-, schmutz- und ölabweisende, flammhemmende oder antistatische Wirkungen erhalten. Gänzlich ohne chemische Prozesse und Substanzen ist diese Funktionalisierung allerdings nicht möglich.

Nicht alle eingesetzten Chemikalien sind jedoch per se schädlich für Mensch und Umwelt. Nähfäden von A&E Gütermann werden unter Einhaltung strengster Chemikalienverordnungen, wie bspw. der REACH-Kandidatenliste, hergestellt und sind somit unbedenklich in der Verarbeitung. Dennoch kommen zur Funktionalisierung von Textilien heutzutage vielfach PFC-haltige Stoffe zum Einsatz, deren Verwendung aufgrund ihrer umwelt- und gesundheitsschädlichen Eigenschaften in zunehmendem Maße umstritten oder gar verboten ist.

I. Von C8 und C6 Fluorcarbonharzen zu PFC-freien Chemikalien

Die Abkürzung „PFC“ steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, die seit den 1950er Jahren eine breite Verwendung finden. Darunter werden mehr als 800 verschiedene Stoffe zusammengefasst, die durch ihre besonderen Eigenschaften (wasser-, fett- und schmutzabweisend, chemisch und thermisch stabil) für eine Vielzahl an unterschiedlichen Anwendungen, darunter bspw. für die Ausrüstung von Textilien, verwendet werden. PFCs kommen in der Natur nicht vor und sind biologisch auch nicht abbaubar. Aus diesem Grund stehen sie gegenwärtig sehr stark in der Kritik. Durch die EU-Chemikalienverordnung (REACH) und weiteren Gesetzen sowie einem stetig wachsenden Verbraucherinteresse an nachhaltigen Textilprodukten, ergeben sich daher aktuell eine Reihe an Forderungen, diese PFCs durch nachhaltigere Alternativstoffe zu ersetzen.

PFOS-VerbindungenPFOA-Verbindungen
Prominente Vertreter der PFCs sind Perfluoroctansulfonate (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA), auch bekannt unter „C8-PFCs“. Die C8-Chemie wurde viele Jahre eingesetzt, um Textilien wasser-, schmutz- und ölabweisende Eigenschaften zu verleihen. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig: ob Sport- und Outdoorbekleidung, Heimtextilien, Arbeitsbekleidung oder Schutzausrüstungen. Das weltweite Inverkehrbringen und die Verwendung von PFOS stehen jedoch aufgrund ihrer umweltpersistenten, bioakkumulierbaren und toxischen Eigenschaften seit 2010 bis auf wenige Ausnahmen auf der Verbotsliste der Stockholm-Konvention für POPs (persistente organische Schadstoffe) und haben  seitdem an Relevanz für die Textilbranche verloren. In 2013 wurden auch die PFOA-Verbindungen als besonders besorgniserregende Chemikalie identifiziert und der REACH-Kandidatenliste hinzugefügt. Die Substanz gilt als lebertoxisch und schädlich für die Fortpflanzung, ihre Halbwertszeit im Blut beträgt ca. 3,5 Jahre. Laut EU-Verordnung 2017/1000 dürfen PFOA und Vorläuferverbindungen (d.h. Substanzen, die PFOA freisetzen können) nach dem 4. Juli 2020 EU-weit demnach weder hergestellt noch in Verkehr gebracht werden. Für bestimmte Anwendungsbereiche wie bspw. Arbeitsschutztextilien oder Membranen für medizinische Textilien gelten jedoch bis 2023 verlängerte Fristen.

C6 FluorcarbonharzeC6 Fluorcarbonharze

Als Alternative zur C8-Chemie werden nun, bis auf wenige Ausnahmen, C6 Fluorcarbonharze eingesetzt. C6-PFCs haben in ihrem Grundgerüst zwei Kohlenstoffatome weniger, sind jedoch ansonsten nahezu identisch zu den C8 Fluorcarbonharzen. Mit der C6-Chemie können nahezu vergleichbare Resultate bezüglich wasser-, schmutz- und ölabweisender Ausrüstung erzielt werden, allerdings müssen dafür größere Mengen eingesetzt werden. Im Rahmen des Herstellungsverfahrens wird zudem ein aufwändiger Reinigungsschritt nötig, um den geforderten Grenzwert für PFOA und Vorläufersubstanzen einzuhalten. Folglich stellen auch diese kurzkettigen PFCs keine dauerhafte Lösung dar, um Textilien entsprechend auszurüsten. Ein Restriktions- oder gar Verbotsverfahren analog zu PFOA zeichnet sich bereits ab. Auch ein Ausweichen auf C4-Chemie wird langfristig nicht ausreichen. Experten rechnen daher schon bald mit einem umfassenden Verbot der textilen Fluorchemie.

Ziel wird zukünftig sein, PFC-freie Imprägnierungen sprich fluorfreie Alternativen einzusetzen. Häufig wird auch von C0 (C-Zero) gesprochen. PFCs vollständig zu eliminieren ist allerdings nicht ganz so einfach, da die Alternativstoffe nicht dieselbe Performance wie PFC-haltige Imprägnierungen in Bezug auf schmutz- und ölabweisende Eigenschaften aufweisen. Für rein wasserabweisende Ausrüstungen, stehen jedoch diverse Ersatzprodukte mit umweltfreundlichen Eigenschaften zur Verfügung. Beispielsweise PFC-freie DWR-Ausrüstungen (Durable Water Repellent), die momentan vor allem unter Einsatz von Wachsen, Paraffinen, Polyurethanen oder Dendrimeren hergestellt werden. Einige der auf dem Markt verfügbaren Produkte basieren sogar auf nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Teflon EcoEliteTM oder ecorepel® Bio.

II. Unser Weg zu PFC-freien, wasserabweisend ausgerüsteten Nähfäden

Insbesondere bei Funktionstextilien wie z.B. Regenjacken oder Outdoor-Textilien wie Planen, Zelte und Segel ist es wichtig, dass nicht nur das Gewebe, sondern auch das Eindringen von Feuchtigkeit und Schmutz durch die Nähte reduziert wird, um einen zuverlässigen Schutz zu bieten. In Anbetracht der aktuellen PFC-Debatte, war für uns die Entwicklung einer PFC-freien WA-Ausrüstung somit nicht nur Anreiz, sondern gelebte Verantwortung.
 

Unsere PFC-freie Alternative zur WA-Ausrüstung heißt „REPEL“. REPEL ist eine wasser- und schmutzabweisende Ausrüstung für Nähfäden, welche mittels eines speziellen UFP-Verfahrens auf den Faden aufgetragen und im Anschluss unter dem Einfluss von Hitze mit dem Nähfaden verbunden wird. REPEL ist waschbeständig und lässt sich problemlos verarbeiten. Daneben erfüllt REPEL sowohl die Anforderungen des Blaumethylen- und Gore-Tests und verfügt über eine ausgezeichnete Wasserdurchdringfestigkeit.

Diese ist mittels der bestandenen „Rain-Test“ Methode gemäß ISO 22958-2005 OR AATCC 61 belegt. Die Ausrüstung mit REPEL hat keinerlei negative Auswirkungen auf die Farberscheinung und ist somit absolut zuverlässig. Die Anwendungsgebiete von REPEL sind vielfältig und erstrecken sich von Outdoor-Anwendungen, über Activewear und Footwear bis hin zu Workwear.

Darüber hinaus können auf Anfrage auch weitere Produkte mit REPEL ausgerüstet werden. Bitte kontaktieren Sie uns hierzu gerne unter contact@guetermann.com.

Welche Vorteile bringen PFC-freie, wasserabweisend ausgerüstete Nähfäden mit sich?

  • Herstellung erfolgt ohne jegliche Fluorchemie
  • keine umweltpersistenten, bioakkumulierbaren oder toxischen Eigenschaften
  • weder umwelt- noch gesundheitsschädliche Eigenschaften
  • beständige, wasserabweisende Funktion
  • waschbeständig bei Temperaturen bis zu ca. 40°C
     

Verarbeitungstipps von PFC-freien, wasserabweisend ausgerüsteten Nähfäden

Durch wasserabweisend ausgerüstete Nähfäden wird zwar das Risiko zur Wasserdurchlässigkeit minimiert, dennoch bleibt die Naht von wasserabweisenden Funktionstextilien insbesondere an den Einstichlöchern eine Schwachstelle. Um die Wasserdurchlässigkeit im Nahtbereich weiter zu mindern, können jedoch folgende Verarbeitungstipps hilfreich sein: